Kirchenaustritte in der Schweiz – Statistik 2023 im Überblick

Kirchenaustritte in der Schweiz – Statistik 2023 im Überblick

29.07.2025 | Kirchenaustritt Schweiz Team

Über 67’000 Menschen traten 2023 aus der katholischen Kirche aus – so viele wie nie. Wir zeigen, was hinter den Zahlen steckt und warum so viele ihren Austritt erklären.

Im Jahr 2023 haben so viele Menschen die Landeskirchen in der Schweiz verlassen wie noch nie zuvor. Besonders betroffen: die römisch-katholische Kirche. Mit über 67’000 Austritten markiert das Jahr 2023 einen historischen Höchststand. Auch die reformierte Kirche spürte eine starke Austrittswelle – viele davon ausgelöst durch den Vertrauensverlust nach der Veröffentlichung einer grossen Missbrauchsstudie.

Mehr als 67’000 katholische Austritte – Rekordzahl 2023

Laut dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) sind 2023 exakt 67’497 Personen aus der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz ausgetreten. Damit haben sich die Austritte im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. 2022 lag die Zahl noch bei rund 34’500. Besonders auffällig ist, dass viele Kirchenaustritte direkt nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im September erfolgten.

Die Austrittsquote lag gesamtschweizerisch bei rund 2,6 %. Rechnet man die Westschweiz heraus – also Kantone wie Genf, Waadt oder Neuenburg, wo keine klassische Kirchensteuerpflicht besteht – liegt die Quote sogar bei über 3 %. Ein deutliches Signal.

Reformierte Kirche: Ebenfalls starker Anstieg

Auch die evangelisch-reformierte Kirche verzeichnete 2023 einen starken Rückgang. Die Zahl der Austritte stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel. Hochrechnungen gehen von etwa 40’000 Austritten aus – damit nähert sich auch diese Kirche einem kritischen Niveau. Die Reformierten hatten diesen Rückgang zwar erwartet, aber nicht in dieser Heftigkeit.

Warum treten so viele aus?

Der Hauptgrund für die massive Austrittswelle ist der Vertrauensverlust – insbesondere in die katholische Kirche nach der Publikation der Missbrauchsstudie durch die Universität Zürich. Viele Menschen fühlten sich tief enttäuscht von der Institution, ihrem Umgang mit Opfern und der fehlenden Aufarbeitung.

Neben dem Missbrauchsskandal spielen auch langfristige gesellschaftliche Trends eine Rolle. Immer mehr Menschen sehen keinen Bezug mehr zur Kirche, nutzen keine kirchlichen Angebote und empfinden die Kirchensteuer als unnötige Belastung. Gerade junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren treten oft aus, sobald sie finanziell selbstständig sind.

Regionale Unterschiede: Stadt schlägt Land

Die Austrittsquoten unterscheiden sich stark nach Region. In städtischen Kantonen wie Zürich, Basel-Stadt oder Bern sind sie deutlich höher als auf dem Land. In der Westschweiz (z. B. Genf, Neuenburg, Waadt) existiert aufgrund des säkularen Modells gar keine formelle Kirchenmitgliedschaft mit Steuerpflicht – dort sind Austritte statistisch kaum erfasst.

Und wie viele treten (wieder) ein?

Die Zahl der Wiedereintritte ist konstant tief. 2023 waren es nur rund 1’000 Personen, die sich erneut einer Landeskirche anschlossen. Das sind weniger als 1,5 % im Verhältnis zu den Austritten. Auch Taufen nehmen ab – was langfristig bedeutet: Weniger Neumitglieder, weniger Kinder in kirchlichen Angeboten, weniger Bindung zur Institution.

Fazit: Die Schweiz erlebt eine Kirchenkrise

2023 war ein Wendepunkt für die Landeskirchen in der Schweiz. Noch nie zuvor haben so viele Menschen die Kirche verlassen – aus Überzeugung, aus Protest oder aus finanziellen Gründen. Die Zahlen zeigen: Der Trend zur Säkularisierung beschleunigt sich. Ob und wie die Kirchen darauf reagieren, wird entscheidend für ihre Zukunft sein.

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